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Donnerstag, 14. Dezember 2017

1. Sprachliche Fertigkeiten

1.1 Arbeitsbereiche: Mündliche und schriftliche Kommunikation

Ziel des Französischunterrichts ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, am Ende der Sekundarstufe I sich in Kommunikationssituationen mit Personen der anderen Sprache personenbezogen und sachangemessen zu verständigen.

Der Unterricht muss den Schülerinnen und Schülern grundlegende fremdsprachliche Qualifikationen vermitteln und sie befähigen, die Bedeutung von Mitteilungen zu verstehen und eigene Mitteilungsabsichten zu verwirklichen. Die Äußerungen der Schülerinnen und Schüler sollen verständlich und individuell angemessen sein und ein notwendiges Maß an sprachlicher Korrektheit aufweisen. Neben der Sprachproduktion ist das verstehende Hören und Lesen von Äußerungen eines Gesprächspartners von gleichgewichtiger Bedeutung.

  • Mündliche Kommunikation

Das Verstehen und der Gebrauch der fremden Sprache wird von den Schülerinnen und Schülern häufig als Barriere ihrer Verständnis- und Ausdrucksmöglichkeiten empfunden. Hier kommt dem Fremdsprachenlehrer eine wichtige Mittlerrolle zu: Sowohl sprachliche Hilfen als auch Korrekturen sollen die Schülerinnen und Schüler von Anfang an ermutigen, ihre begrenzten sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Einlösen vielfältiger kommunikativer Bedürfnisse zu nutzen.

Der Unterricht bereitet auf die Bewältigung von Realsituationen vor, indem Situationen simuliert werden, in denen die Schülerinnen und Schüler die notwendigen Qualifikationen erwerben. Die mündliche Sprachkompetenz wird dabei auf der Grundlage der inhaltlichen Arbeit gefördert, die sich aus der jeweiligen Unterrichtseinheit ergibt.

Mündliche Mitteilungen der Schülerinnen und Schüler sollen als Beitrag zur Verständigung verstanden werden und nicht als Nachweis linguistischer Kompetenz. Im Anschluss an Sprechsituationen können einzelne Fehler zum Gegenstand einer gezielten Fehlertherapie herangezogen werden.

Die Fremdsprache ist das bevorzugte Kommunikationsmittel im Unterricht. Ihre Verwendung hat dort ihre Grenzen, wo sich Deutsch als hilfreich für Schülerinnen und Schüler und ökonomisch für den Lernprozess erweist:

- bei der Erarbeitung grammatischer Gesetzmäßigkeiten;
- bei Worterklärungen, die einsprachig nicht eindeutig sind;
- wenn Standpunkte oder Gefühle in der Fremdsprache noch nicht angemessen geäußert werden  können;
- wenn Gespräche nicht ausreichend differenziert in der Fremdsprache geführt werden können.

  • Schriftliche Kommunikation

Das Schreiben eines freien Textes muss, wie andere Fähigkeiten kleinschrittig erarbeitet werden. Im Anfangsunterricht erhalten die Schülerinnen und Schüler vielfältige Hilfen (Wortlisten, Fragen, Bilder etc.), die einerseits einen Rahmen abstecken, ihnen aber auch einen Freiraum gewähren, eigene Ideen, Meinungen, Vorliebe oder Abneigung auszudrücken.

Texte mit Modellcharakter verdeutlichenden Schülerinnen und Schülern die Strukturmerkmale der Textsorte und stellen ihnen Sprachmittel zur eigenen Verwendung bereit (z.B. äußere Form von Briefen, Lebenslauf etc.).

Erzählgerüste, mit denen die Textsorte und die Abfolge der Ereignisse vorgegeben werden kann, sind eine weitere Hilfe, mit der auch die sprachliche Gestaltung gesteuert werden kann (z.B. Lücken ausfüllen, Anfang, Mitte oder Ende einer Geschichte schreiben etc.). Die Entwicklung einer kreativen Schreibtätigkeit setzt voraus, dass den Schülerinnen und Schülern einerseits vielfältige und interessante Schreibanlässe angeboten werden, andererseits müssen die Arbeitsanweisungen und Hilfen so präzise sein, dass die Schülerinnen und Schüler die gestellte Aufgabe bewältigen können.

Briefe und E-Mails haben im Fremdsprachenunterricht eine besondere Bedeutung, denn sie bringen ein Stück fremdsprachlicher Realität in den Unterricht und erhöhen so die Motivation. Der Einsatz von E-Mails bietet eine ideale Möglichkeit, themenbezogene Korrespondenz weltweit mit anderen Jugendlichen in Französisch zu führen.

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1.2 Arbeitsbereich „Umgang mit Texten“

Unter Text wird jede wahrzunehmende schriftliche oder mündliche Äußerung verstanden. Der Unterricht in diesem Bereich leitet die Schülerinnen und Schüler dazu an, Informationen zu erschließen, auszuwerten und dadurch Einsichten in die Lebensbedingungen und die Kultur der Menschen im anderen Land zu gewinnen.

Bei der Auswahl der Textsorten und Texte ist darauf zu achten, dass ein vielfältiges, facettenreiches Bild der anderen Gesellschaft vermittelt wird. Dies geschieht u. a. durch die Wahl von Textsorten, die besondere Einblicke in die Lebensbedingungen und Kultur Frankreichs geben.

Umgang mit Texten bedeutet auch Umgang mit Medien. Dabei geht es sowohl um die Nutzung von über Medien vermittelten Informationen (z. B. lettre électronique) als auch um die Benutzung der Medien selbst (Videokassette, Kassettenrekorder, Computer). Mit ihrer Hilfe gelingt es, die fremde Lebenswirklichkeit in ihren sprachlichen und nichtsprachlichen Ausprägungen erfahrbar zu machen.

Die im Unterricht zu entwickelnden kommunikativen Fähigkeiten beim Umgang mit Texten beziehen sich auf das Verstehen des Textes und die Wiedergabe des Sachverhalts. Wichtig ist die Entwicklung von Techniken des Verstehens von Hör- , Lese- und Hör/Sehtexten (siehe auch: Lern- und Arbeitstechniken). Für das Verstehen von Texten müssen Wortbedeutungen und syntaktische Beziehungen ebenso geklärt werden wie Sachverhalt und soziokultureller Hintergrund. Die Wiedergabe des Sachverhalts dient der Sicherung des Textverständnisses, das Erschließen dessen, was ein Text beim Leser / Hörer bewirken will:

- Heraussuchen von Wörtern und Textteilen, die Wertungen enthalten,
- Auffinden von Textstellen, die die Autorenintention erkennbar machen,
- Trennung von faktischer Information und Kommentar in einem Text.

Die individuelle Deutung eines Textes

Der Text wird mit dem Vorwissen und den eigenen Erfahrungen in Beziehung gesetzt. Antworten auf folgende Fragen sollten gefunden werden:

- Spricht mich der Text an?
- Was finde ich interessant, was weniger?
- Gibt der Text Antworten auf Fragen, die mir wichtig sind?
- Welche Fragen bleiben für mich offen?
- Teile ich die Aussagen / Wertungen der Texte?

Qualifikationen (Anfangsunterricht: 1. und 2. Lernjahr)

Bereits im Anfangsunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler möglichst viele unterschiedliche Textsorten kennen lernen. Dabei haben leicht verständliche Texte Vorrang, die ein authentisches Bild Frankreichs darstellen.
Die Schülerinnen und Schüler sollen Lese-, Hör- und Hör/Sehtexte verstehen, den Textinhalt wiedergeben und in einfacher Form Stellung zu den Aussagen von Texten beziehen.

Qualifikationen (Ausbauphase: 3. und 4. Lernjahr)

Die Textsorten, mit denen die Schülerinnen und Schüler in der Ausbauphase konfrontiert werden, sind nicht grundsätzlich andere als im Anfangsunterricht. Der Unterschied basiert in der Länge der Texte, der anspruchsvolleren Thematik und in den komplexeren Aufgabenstellungen. Darüber hinaus lernen die Schülerinnen und Schüler weitere Textsorten kennen.

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2. Sprachliche Mittel

2.1 Aussprache und Intonation

Die Schulung normgerechter Aussprache und Intonation mit Hilfe authentischer Hörmaterialien ist von Anfang an Teil des Unterrichts. Dabei hat das Sprechen in Zusammenhängen Vorrang. Das isolierte Aussprechen einzelner Laute hat dann Bedeutung, wenn Ausspracheschwierigkeiten gezielt betrachtet werden müssen.
Das Lernen durch Imitation wird durch Bewusstmachen von Oppositionen und Hinweise auf Gesetzmäßigkeiten unterstützt. Für Französisch ist das besondere Bewusstmachen der Intonationspausen nach „groupes rythmiques“ von Bedeutung.
Das selbstständige Erschließen der Aussprache von Wörtern mit Hilfe der Lautschrift sollte von Anfang an geübt werden.
Gegen Ende des Lernprozesses sollen den Schülerinnen und Schülern auch umgangssprachliche und regionale Aussprachevarianten begegnen. Auf Sonderfälle, z.B. Aussprache und Intonation bei Gedichten und Chansons, ist hinzuweisen. Bei der Schulung von Aussprache und Intonation ist vor allem Wert zu legen auf:

- Phoneme, die besondere Lern- und Ausspracheprobleme bereiten,
- Verknüpfung von Lauten in Wortgruppen (vor allem in bedeutungsunterschiedlichen Funktion),
- grundlegende Intonationsmuster.

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2.2.  Rechtschreibung

Rechtschreibung ist Bestandteil jeder Schreibtätigkeit und wird somit implizit permanent weiter entwickelt, Möglichkeiten der Selbstkorrektur sollten von Anfang an in den Lernprozess einbezogen werden.
Folgende Punkte sind besonders intensiv zu betrachten und zu üben:

- Entsprechungen und Unterschiede zwischen der Aussprache und Schreibung von Lauten, Wörtern und Wortgruppen,
- orthografische Gesetzmäßigkeiten bei grammatischen Elementen,
- Homophone (z.B. ou / où, eau / oh),
- Interferenzen mit dem Deutschen bzw. anderen Fremdsprachen.

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2.3 Wortschatz

Eine wichtige Voraussetzung für sprachliches Können sind lexikalische Kenntnisse.
Auf der Basis des „français fondamental“ erwerben die Schülerinnen und Schüler einen Grundwortschatz. Währen der gesamten Unterrichtszeit wird der Wortschatz kontinuierlich erweitert.

Am Ende der Sek I soll der Wortschatz etwa 1500 aktiv verfügbare lexikalische Einheiten (produktiver Wortschatz) und eine nicht festgelegte Anzahl an passiv zu beherrschenden Lexemen umfassen (rezeptiver Wortschatz). Der rezeptive Wortschatz, der den Schülerinnen und Schülern zunächst als Verstehenslexik zu Verfügung steht, geht später in den produktiven Wortschatz über.
Wörter, deren Bedeutung auf Grund von Assoziationen und Analogieschlüssen gefunden werden können, gehören dem potentiellen Wortschatz an. Die Kenntnis von Wortbildungsregeln oder auch das Lernen von Wortfamilien vergrößern den potentiellen Wortschatz.

Bei der Arbeit im Bereich des Wortschatzes sind zu beachten:

- Üben in syntagmatischen bzw. funktionalen Zusammenhängen,
- Wiederholung in wachsenden Abständen,
- Einprägen, Anwenden und Wiederholen durch eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote (individuelles Lernen).

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2.4 Strukturen und Formen (Grammatik)

Grammatikkenntnisse haben eine der Kommunikation dienende Funktion.
Sprachliche Handlungsfähigkeit setzt auch Kenntnisse grammatischer Gesetzmäßigkeiten voraus. Die zu vermittelnden Strukturen sind mögliche Mittel zur Umsetzung kommunikativer Intentionen (Sprechabsichten).
Das Formeninventar sollte daher im Hinblick auf die Verwendbarkeit im Rahmen von Sprechabsichten, Thema und Textart ausgewählt werden.

Das folgende Minimum an Strukturen stellt eine subjektive Auswahl dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist aber sicher zu stellen, dass am Ende der Klassen 8 und 10 alle vom Lehrplan vorgegebenen Strukturen erlernt sind (Prinzip der Durchlässigkeit).

Dem Grammatikunterricht liegt kein allgemeingültiges linguistisches Modell zu Grunde. Die Aneignung grammatischer Strukturen erfolgt je nach grammatischem Phänomen und Zeitpunkt unterschiedlich und muss durch entsprechende Lern- und Übungsangebote gestützt und gesichert werden:

- Lernen als feste Wendung (z.B. „je voudrais...“),
- induktives Erschließen grammatischer Sachverhalte aus Textbeispielen,
- Erschließen des grammatischen Sachverhalts aus dem Verwendungszusammenhang mit anschließender Regelformulierung durch die Schülerinnen und Schüler,
- Übung und Wiederholung von Strukturen müssen auf selbstständige Anwendung ausgerichtet sein und daher immer individuelles Arbeiten einbeziehen Differenzierungsmöglichkeiten sind hier zu nutzen.

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2.5 Lern- und Arbeitstechniken

Fachübergreifende und fachspezifische Lern- und Arbeitstechniken stützen den fremdsprachlichen Lernprozess.
Das Angebot an Lern- und Arbeitstechniken muss den individuellen Vorkenntnissen, Lernstrategien und Arbeitsweisen der Schülerinnen und Schüler in stützender und erweiternder Form Rechnung tragen. Lerntechniken werden im Unterricht im Zusammenhang mit kommunikativen Tätigkeiten vermittelt und kontinuierlich geübt. Hierbei kommt den neuen Medien eine besondere Bedeutung zu, ohne dass dabei auf ihre kritische Betrachtung verzichtet wird.

Analog zur Schreibförderung im Deutschunterricht sind folgende Inhaltsbereiche der informationstechnischen Grundbildung umzusetzen:

Schreiben und Bearbeiten von eigenen Texten,
– Nutzen verschiedener Konzepte (Layout, Schriften, Zeichen, Absätze, ...),
Nutzen verschiedener Operationen (Eingeben, Markieren, Löschen, Einfügen, Speichern, Drucken, Rechtschreibprüfung, ...).

Der Computer ist weiterhin zur Unterstützung des Sprachlernprozesses zu nutzen:

– als Grammatik- und Vokabeltrainer,
– als Wörterbuch auf CD-ROM,
– bei der authentischen Kommunikation (E-Mail),
– bei multimedialen Lernumgebungen,
– bei der individuellen Aussprachekorrektur.

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